Die 4 Prinzipien des Faszientrainings

 

Wiederentdecktes Rückentraining

 

Faszientraining ist keine neue Erfindung. Es ist eher eine Wieder-Entdeckung. Denn altbekannte und zum Teil "verbotene" Trainingselemente erhalten durch neue Erkenntnisse wieder Bedeutung und finden Platz in aktuellen Trainingsempfehlungen. 

Dabei ist Faszientraining nur EIN Element neben den gängigen Trainingsinhalten wie Kraft-, Ausdauer-, Schnelligkeits- und Koordinationstraining. Kennt man die Prinzipien, ist es leicht diese in den aktuellen Trainingsplan zu integrieren.

 

1. Prinzip: Rebound Elasticity - der Katapulteffekt mit vorbereitender Gegenbewegung

 

Warum können Kängurus im australischen Busch so enorm weit springen? Die Sehnen und die Faszien der Beine werden beim Springen wie elastische Gummibänder vorgespannt. Das anschließende Loslassen der darin gespeicherten Energie ermöglicht dann diese erstaunlichen Sprünge. Bei uns Menschen ist das ganz ähnlich. Beim Hüpfen, Laufen, sogar teilweise beim Gehen und Werfen gewinnen wir einen erheblichen Teil der Bewegungsenergie aus dieser dynamischen Federung - dem Katapult-Effekt der Faszien. 

 

Ein Teil dieses Prinzips ist die vorbereitende Gegenbewegung, die in Schwüngen und elastischen Rückfederungen eine leichte Vorspannung aufbaut und die gespeicherte Energie in der Bewegung dynamisch freisetzt. Der Effekt ist ein leichteres, kräftesparnderes Bewegen, da die aufzubringende Kraft auf eine lange Kette verteilt wird anstatt nur über einen Muskel anzugreifen. 

 

 

2. Prinzip: Fascial Stretch - dynamische Dehnungen langer Ketten

 

Die Dehnung findet über mehrere Gelenke statt und wird endgradig, dreidimensional dynamisch durchgeführt. Fließende Übergänge verschiedener Körperpositionen eignen sich besonders, denn Faszien lieben es in alle Richtungen gezogen und gedehnt zu werden. Durch schnelle, weich-elastisch, schwingende Dehnungen mit Ganzkörperspannung erhöht sich die Gewebestabilität und die Schnellkraft nimmt zu. Bei der langsamen Ausführung unter Einbeziehung langer myofaszialer Ketten und spiralförmiger Verwringungen wird das lokale und globale Fasziennetzwerk stimuliert.

 

3. Prinzip: Fascial Release - Eigenbehandlung mit der Rolle

 

Die beste "Do-it-yourself"- Methode, um verklebte und verdickte Faszien zu lösen. Bei der Eigenbehandlung übernimmt die harte Schaumstoffrolle oder auch Tennisbälle u.ä. die Aufgaben des Behandlers. Beim langsam-schmelzenden Rollen können sich deutlich schmerzhafte Stellen bemerkbar machen, die schon nach wenigen Wiederholungen spürbar geschmeidiger und durchlässiger werden. Das Gewebe wird durchfeuchtet und Verklebungen können sich lösen und werden gleitfähiger. Die Dosierung hängt von der Druckverteilung pro Fläche ab. Je kleiner die Fläche auf der gerollt wird, desto höher der Druck. 

 

Achtung: Ein "Wohl-Weh"-Schmerz bei der Eigenbehandlung durch das Rollen ist erlaubt. Bei stärkeren Schmerzen sollten Sie sich fachlichen Rat einholen. 

 

4. Prinzip: Sensory Refinement - fühlendes Verfeinern

 

Faszien sind unser 6. Sinn. Wir nehmen unsere Bewegung und auch Schmerzen hauptsächlich über Sensoren in diesem Gewebe wahr. Neu ist, dass sich eine gute Propriozeption direkt und positiv auf myofasziale Schmerzen auswirkt. Durch sinnliche, in sich hinein spürende Bewegungen können die "blinden Flecken" im Körper (wie chronische Rückenschmerzen) oder schwer spürbare Bereiche (wie nach Operationen oder Traumen) wieder in das eigene Körperbild integriert werden. 

 


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